Revitalisierung & Ortserneuerung

Die Stanz bietet als Seitental des Mürztales hohe Wohnqualität abseits von Autobahn und Industrie. Seit langem bestand hier die Nachfrage nach Kleinwohnungen.

Nach 4 Jahren intensiver Bürgerbeteiligung und Beiziehung von Fachleuten entstand hier ein Holzbau mit 8 betreubaren Wohneinheiten und 8 Starterwohnungen mit 40 bis 55 m2 Wohnfläche. Im gemeinsamen Erdgeschoß befindet sich wieder ein Nahversorger, der das gesamte Ortszentrum belebt und aufwertet. Auch das Gemeindeamt wurde auf einen zeitgerechten, kundenfreundlichen Standard gebracht, wobei der Gemeinderatssaal zum Multifunktionsraum wurde. Das „Sewerahaus“ am Platz mit der Bankstelle im EG und 2 Wohnungen darüber wurde saniert.

Möglich wurde dieses zukunftsweisende Projekt durch die Initiative eines aktiven Bürgermeisters samt Gemeinderat, dem idealistischen Einsatz von Soziologen und Architekturbüro, sowie der aktiven Unterstützung der steiermärkischen Landesregierung.

Entwurf

Unterschiedlichste Anforderungen, die komplexe Topografie und der baufällige Altbestand erforderten eine Mischung aus Sanierung, Abbruch und Neubau. Durch die Trennung des Haupthauses und des „Sewerahauses“ am Platz wurde ein wichtiger erster Schritt getan. Die Platzsituation hat sich dadurch stark verändert. Das Ensemble bekommt durch die entstandene Fußgängerzone urbanen Charakter. Wo früher ein ADEG Markt war, ist nun ein neuer Nahversorger. Auf dessen Flachdach liegen zwei Baukörper mit Satteldach. Hier finden 16 Wohnungen Platz. Der dritte neue Baukörper ist der Gemeinde zugeordnet. Der Hauptplatz mit den Geschäftslokalen, das Gemeindeamt mit dem neuen Saal und sämtliche neuen Wohnungen sind über eine zentrale Erschließung mit Liftanlage barrierefrei verbunden. Den Wohnungen sind Freibereiche in Form des gemeinsamen Innenhofes (am Dach des Nahversorgers) angeschlossen. Diese Hoftypologie ermöglicht den Ausblick der nördlich angrenzenden Wohnbebauung, die Ost-West-Orientierung der Wohnungen eine durchgesteckte Grundrisstypologie. Die Neubauten wurden in Holz-Misch-Bauweise errichtet.

Projektierung

Der Startschuss zum Projekt erfolgte 2016 mit der „Agenda 21“ –„Stanz gemeinsam gestalten“. Mit 80 AktivbürgerInnen wurden in der neu eingerichteten „Dorfwerkstätte“ eine Vielzahl von Ideen geschmiedet und in kurz- mittel- und langfristige Vorhaben unterteilt. Begleitet durch die Landentwicklung Steiermark und Soziologen der Agentur SCAN wurden rasch kurzfristig umsetzbare Projekte angegangen und auch abgeschlossen. Mittelfristig kristallisierte sich der dringende Wunsch nach einer umfassenden Ortskernsanierung heraus.

Aufgrund einer Analyse der Bausubstanzen durch Nussmüller Architekten wurde aus den Wünschen der Arbeitsgruppen ein umfassendes Konzept für ein multifunktionales Bauprojekt entwickelt, welches die folgenden Forderungen der Bevölkerung abdeckt:

  1. Wiederherstellen eines Nahversorgers
  2. Schaffung eines Hauptplatzes – einer Begegnungszone
  3. Wohnen im Zentrum und Betreubares Wohnen
  4. ein Kultur– und Veranstaltungsraum
  5. Sanierung von Gemeinde und der umliegenden Gebäude

Dazu wurde von der Gemeinde das dominante leerstehende Gebäude im Zentrum erworben, entkernt, renoviert und an Dienstleister vermietet. Durch den Abbruch der unansehnlichen Zubauten entstand eine neue Passage, die an den neuen zentralen Platz anschließt. Auf Platzniveau ist der Nahversorger positioniert, der durch ein völlig neues Marktkonzept für freie Kaufleute eine zentrale innerörtliche Funktion darstellt. Das große Angebot an regionalen Produkten, eine Poststelle und eine Wiederverwertungsküche sind in diesem Zusammenhang besonders erwähnenswert. Darüber spannt sich ein begrünter Wohnhof zwischen betreubaren- und Starterwohnungen.

Als Ort der Begegnung und Kommunikation unterstützt das neue Zentrum die soziale Weiterentwicklung. Die architektonische Neuformulierung erzeugt das Bild des Aufbruchs in eine neue Zukunft des Ortes.

Plusenergiequartier

In der e5-Gemeinde Stanz im Mürztal soll bis 2022 eine Energiegemeinschaft entstehen, die beispielgebend für andere Gemeinden sein soll. Übergeordnetes Ziel ist es, ein innovatives, multiplizierbares Plusenergiequartier zu erproben. Für den Rückhalt in der Bevölkerung wurde gemeinsam an einem Energieleitbild gearbeitet.

Hauptziel ist, die Energieversorgung von aktuell 30 % auf 100 % Erneuerbare zu erhöhen. Dazu sollen innovative Geschäftsmodelle zur Finanzierung und flexible Nutzung der Energieträger pilothaft umgesetzt werden.

Bisher wurde 2020 ein flexibles Biomasse-Wärme- und Stromnetz im Ortskern errichtet (Anschlussleistung Wärme: 300 kW mit 20.000 Liter Pufferspeicher, Übertragungsleistung Strom: 150 kW). Außerdem werden PV-Anlagen (ca. 200 kW) auf den Dächern errichtet, sowie Überschussstrom aus Wind- und Wasserkraft eingebunden. Flexibilitätspotentiale werden mittels dezentralen Warmwasserspeichern geschaffen.

Durch die Energiegemeinschaft sollen die Energiekosten für Strom für die Teilnehmenden um 10 – 15% gesenkt werden. Das Plusenergiequartier-Projekt wird 2020-2023 mit 750.000,00 € von der FFG gefördert. Projektpartner sind AEE INTEC, Nussmüller Architekten ZT GmbH, scan – Agentur für Markt- und Gesellschaftsanalytik und UET Handelsges.m.b.H..

Adresse Stanz 46, 8653 Stanz im Mürztal

Auftraggeber Gemeinde Stanz im Mürztal / Wohnbaugruppe Ennstal

Planungsbeginn 2017

Baubeginn 2018

Fertigstellung 2020

Nutzung 8 betreubare Wohneinheiten, 8 Starterwohnungen, Nahversorger, Gemeindeamt mit Gemeinderatssaal, Frisör, Bankstelle, 2 Wohnungen

Anmerkungen Projektentwicklung

BGF 1.516 m2

NNF 1.201 m2